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Der Ernst des Lebens, Eingewöhnung 2.0

im Strohlabyrinth

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Komisch, das gleiche habe ich zu Beginn der Eingewöhnung gedacht. Und jetzt noch einmal. Wir sind jetzt am Ende der vierten Woche angekommen. Minime hat bereits anderthalb mal in der Kita geschlafen. Das eine Mal zähle ich nur halb, weil sie beim Einschlafen die Würstchensuppe (mehr dazu später) ausgekotzt hat. *schulterzucken*  Einen Tag später, hat sie bereits 45 Minuten Mittagsschlaf gemacht. Sie müsse sich wohl noch an den Lärm der Kindergartenkinder im Raum nebenan gewöhnen. Da bin ich optimistisch. Seit dem Sommer wird neben unserem Wohnhaus ein Neubau aus dem Boden gestampft. Ich habe das Gefühl, dass die Bauarbeiter mit Vorliebe zur Mittagszeit die lautesten Arbeiten verrichten… Wie dem auch sei, bei diesem Lärm konnte Minime auch ihren Mittagsschlaf abhalten.

Nachdem die erste Woche so rasend schnell vorbei war, ging es in der zweiten Woche nahtlos weiter. Dann kam der Wechsel. Da ich ab dem 1. Oktober wieder als working mom unterwegs sein musste, musste der Hermann ran und hat zwei Wochen Urlaub genommen – mit Option auf Verlängerung, falls die Eingewöhnung länger dauert. Und ganz ehrlich. Ich habe nie und nimmer damit gerechnet, dass wir „nur“ vier Wochen brauchen. Ich hab mehr an die sechs Wochen und aufwärts geglaubt… Aber Minime scheint sich in der Kita wohl zu fühlen (vor allem wenn sie im Flur umher flitzen oder im Garten spielen kann). Der Abschied zuhause von mir war herzzerreissend. Minime klammerte sich an mich und weinte jeden Morgen für ein paar Tage. Das Gleiche dann noch einmal beim Abschied von Papa in der Kita. Zwei Abschiede in so kurzer Zeit muss man ja auch erst einmal weg stecken. Wir haben fest gestellt, dass sie es besser aufnimmt, wenn wir die Verabschiedung langsam machen, mit dem Ritual dass wir uns zuwinken. Und jetzt, in Woche vier, läuft Minime schon allein in den Raum zu ihrer Betreuerin.

Die Eingewöhnung lief also überraschend gut bisher. Und: Es gab keine weiteren (Beiss-) Zwischenfälle. Zumindest wurde mir nichts erzählt. Und was ich nicht weiß… Was ich allerdings weiß, ist, dass Minime bereits Fisch gegessen hat. Ich hätte fast geheult, als ich das gehört habe. Da bespricht man mehrfach mit den Leuten der Kita, ob es Alternativen zu Fleisch und Fisch geben wird und dann das. Es sind ja gute Fette, versuche ich mir zu sagen. Auf jeden Fall geben wir für Minime jetzt immer „Ersatz“ mit, also Tofuwienerle für die Suppe oder einen Bratling aus Bohnen oder Tofu als Fleischersatz. Mal schauen wie das funktioniert. Morgen ist der letzte Tag der Eingewöhnung und der erste Tag, an dem Minime sieben Stunden in der Kita bleibt. Der Herzmann wird ab Montag wieder arbeiten. (Obwohl er gern zwei Tage Urlaub nehmen würde, um sich mal auszuschlafen… ha ha). Optional kann ich Minime auch nach sechs Stunden schon abholen, sollte es noch nicht mit den sieben klappen. Aber wir sind optimistisch. Auch wenn das schlechte Gewissen ganz tief im Nacken sitzt…

Bis(s) zur Kita – unsere Eingewöhnung 1.0

kita eingewöhnung

Am letzten Tag unserer ersten Woche bei der Eingewöhnung in die Kita ist es passiert. Kurz bevor wir gehen wollten. Minime wollte ihre Schuhe anziehen. Ich nahm sie ihr weg. Sie wurde wütend. In dem Moment kam ein Junge aus ihrer Gruppe vorbei, nennen wir ihn Klaus*, und sie biss ihre Wut in seine Schulter. Zum Glück nicht doll. Zum Glück hatte Klaus zwei Shirts an. Man sah nicht einmal Bissspuren. „Klaus hat früher auch gebissen,“ sagte Stefanie, die Erzieherin von Minime, dazu. Ein kurzer Gedanke blitzte in mir auf – Irgendwann trifft es auch Minime – leider oder Karma?

Aber fangen wir von vorne an. Ich muss zugeben, ich war vor Beginn der Eingewöhnung in die Kita schon ziemlich nervös. Auch wenn ich es nicht zugeben möchte und mir selbst auch gar nicht eingestehen wollte. Minime wird bedürfnisorientiert erzogen. Sie schläft bei uns immer noch im Familienbett (zwar in ihrem Beistellbett neben unserem, aber ohne Trennung dazwischen). Wir waren noch nie länger als etwa zwei Stunden voneinander getrennt, Minime und ich. Vor allem wurde sie noch nie „fremdbetreut“. Selbst wenn meine Mama, also ihre Oma, mit ihr von Hund zu Katze zieht, fragt sie ab und an nach mir. Selbst wenn ihr Papa mit ihr tobt, während ich eine Runde laufen gehe, fragt sie nach mir. Was würde bei einer fremden Person passieren? Eigentlich ist Minime zum Glück ein offener kleiner Mensch und kaum ängstlich. Sie schließt schnell Kontakt und geht auch rasch Bindungen zu Menschen, die sie mag, ein. Wie das Ganze bei einer längeren Zeit funktioniert, wenn wir getrennt sind, weiß ich allerdings nicht. Aber das wird diese Eingewöhnung ja zeigen.

Fremdbetreut, Eingewöhnung nach Berliner Modell

Fremdbetreut. Das Wort ist schon unschön. Da freut man sich doch auch gar nicht drauf oder? Unsere Eingewöhnung folgt dem sogenannten Berliner Modell. Mama oder Papa sind also anfangs mit in der Kita, schauen sich den Alltag an, lernen mit dem Kind die Kita, die Gruppe, die Erzieher/innen kennen. Frühestens nach einer Woche kommt die erste, kurze Trennung von dem Elternteil. Verläuft sie positiv, wird die Zeit, die Kind und Mama (oder Papa) getrennt sind, sukzessive verlängert. Die Entwöhnung findet also langsam und Kindbestimmt statt. Klingt dann doch wieder ganz gut, oder? Aber. Mein. Baby. Getrennt. Von. Mir.!?! Puh. Okay, ich könnte mal wieder allein und in Ruhe – und erwähnte ich schon allein – aufs Klo gehen… Aber wenn ich ganz ehrlich bin, macht mir vor allem Minime’s derzeitiges Beiss– und Hauverhalten Angst und Bange. Was, wenn sie andere Kinder aus ihrer Gruppe beisst? Und warum verdammt noch mal macht sie das überhaupt? Ja, ich frage mich das trotzdem immer noch. Auch wenn ich weiß, dass es eine Art der Kommunikation ist. Frust ablassen. Abwehren. Liebe zeigen. Ich kann das theoretisch gut verstehen. Trotzdem finde ich es extrem schwer zu tragen gerade. Vielleicht (wahrscheinlich) fehlt mir einfach nur die Leichtigkeit einer Mehrfachmama (haha).
Nun, Minime ist jetzt genau 19 Monate alt. Ich denke, es ist ein gutes Alter für sie, in die Kita zu kommen und dort in einer Gruppe mit älteren und jüngeren Kleinkindern neue Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Das Beissen ist nur eine Phase. Es wird aufhören. Und ausserdem muss ich auch mal wieder etwas Gescheites tun. In einer Woche geht es für mich zurück ins Büro. Elternteilzeit mit 20 Wochenstunden. Aber ich schweife ab. Zwei Wochen werde ich Minime bei der Eingewöhnung begleiten. Dann wird der Herzmann übernehmen (müssen).

Die erste Woche: Kennenlernen der Gruppe

Die erste Woche, vor allem aber der erste Tag in der Kita, ist rasend schnell vergangen. Montag waren wir eine Stunde in der Kita. Ankommen, Hallo sagen, Morgenkreis, Frühstück, Zähne putzen und schon wieder nach Hause. Dienstag war es ähnlich: Ankommen, etwas spielen, Frühstück, Zähne putzen, Morgenkreis und wieder etwas spielen, dann nach Hause. Die Zeit, die wir in der Kita verbrachten, wurde langsam bis auf fast drei Stunden am Freitag verlängert. Minime fühlt sich in der Kita wohl. Sie entdeckt das Zimmer, spielt mit dem Spielzeug und nahm auch schon leichten Kontakt mit Stefanie auf. Allerdings sollte ICH ihr das Buch vorlesen und niemand anders.
Es sind derzeit neun Kinder in Minime’s Gruppe. Sie ist eins der Jüngsten. Mit ihr werden aktuell noch drei weitere Kinder eingewöhnt: Lydia, die seit drei Wochen eingewöhnt wird und sich immer noch jedes mal die Seele aus dem Leib brüllt, dass es einem das Herz zerreisst, wenn sich die Mama von ihr trennt. Sebastian, der seit zwei Wochen eingewöhnt wird und schon wie ein alter Hase wirkt – bei ihm scheint die Eingewöhnung schon fast abgeschlossen. Und Felix, dessen Eingewöhnung nur drei Tage vor unserer begann. Dazu ist eine der beiden Erzieherinnen krank (aber wird super von einer Kollegin vertreten).
Innerhalb dieser Woche wurde mir zumindest klar: das wird nicht einfach. Wir werden wohl mehr als vier Wochen benötigen, wenn weiterhin so viele Kinder parallel eingewöhnt werden. Stefanie, die überaus kompetent und herzlich ist, aber sich auch sichtlich zerreißt um allen Kindern gerecht zu werden, macht jedoch einen optimistischen Eindruck. Wir werden das schon alle schaffen. Ich versuche ihr zu glauben.

P.S.: Liebe Minime, falls du das irgendwann einmal selbst lesen solltest (falls dieses Ding, was man Internet und Blogs nennt es in ein paar Jahren noch gibt), sei dir gewiss: Wir lieben dich so wie du bist. Du beisst dich eben durch. Und ich hoffe, dass du dir diese Eigenschaft im übertragenen Sinne beibehältst. 

*Alle Namen wurden natürlich geändert.