Zurück ins Büro – Nach der Elternzeit arbeiten

nach der Elternzeit arbeiten

Es fühlt sich an, als käme man aus einem sehr langen Urlaub zurück. Und gleichzeitig, als wäre es der erste Tag in einem völlig neuen Job: Nach der Elternzeit arbeiten, kann verdammt komisch sein – schließlich steigt man nach ein paar Monaten, einem oder mehr sogar mehr Jahren vom 24/7-Windelwechselservice wieder zurück in das Arbeitsleben ein. Bei mir waren es nun gut anderthalb Jahre Elternzeit. Um genau zu sein 21 Monate. Bereits meine dritte Arbeitswoche musste ich dann mit dem ersten Kind-Krank-Tag beginnen. Kein guter Einstieg irgendwie. Aber so ist es eben. Let’s get back to work.

Ich habe meinen Job vor der Elternzeit echt geliebt. Ich bin gerne zur Arbeit gefahren, habe Herzblut rein gesteckt. Wir waren ein Dreamteam, klein, aber fein, das kann man echt sagen. Und trotzdem habe ich heute auch ein mulmiges Gefühl, wenn ich zur Arbeit fahre. Minime liebt die Kita. Okay, das ist vielleicht zu viel. Aber sie geht mittlerweile gerne hin. Keine Tränen mehr, wenn sie mit Papa morgens von Zuhause losfahren. Keine Tränen, wenn er sie dann in der Kita lässt. Aber lange Zeit ganz dicke Krokodilstränen, wenn ich sie am Nachmittag wieder abhole. Mittlerweile ist auch das seit ein, zwei Wochen besser. Freudentränen sollten das sein. Sie fühlten sich verdammt doof an. Ich habe mehr das Gefühl, dass ihre ganze Anspannung auf einmal wegbricht, wenn sie mich sieht und sich die Dämme öffnen. Wie gesagt, kein schönes Gefühl für mich. Vielleicht, weil ich mit den sieben Stunden, die Minime nun jeden Tag in der Kita ist, an meiner persönlichen Grenze bin. Länger möchte ich sie einfach nicht in fremder Betreuung lassen. Aber man muss ja auch irgendwann die Zeit haben, zu arbeiten. Also richtig zu arbeiten. Ankommen und arbeiten. Nicht nur das Gefühl haben, zwischendurch etwas zu wurschteln. Mich hinsetzen, Rechner an, nachdenken, in Sachen hineindenken – arbeiten eben. Vielleicht müssen wir uns alle auch einfach nur an diese neue Situation gewöhnen. Erst letzte Woche habe ich mich (seit der Schwangerschaft) das allererste Mal als „Mutti“ gefühlt: Ich hab Minime aus der Kita abgeholt und wir sind direkt auf einen Spielplatz mit einigen anderen Kindern aus ihrer Gruppe. Von dort sind wir dann noch Einkaufen gegangen und auf dem Weg passierte es – ich kam mir wie eine „Mutti“ vor. Ich bin jetzt also eine „Working Mom“.

Nach der Elternzeit arbeiten kann ganz wundervoll sein – haben mir viele Freundinnen beschrieben. Man hätte endlich wieder eine vernünftige Aufgabe. Ich arbeite jetzt in Elternteilzeit. 20 Stunden statt 40 Stunden in der Woche. Verteilt auf fünf Vormittage. Das ist verdammt wenig. Ich habe kaum das Gefühl, wieder im Arbeitsleben, im Team anzukommen. Keine gemeinsamen Kaffeepausen, kein gemeinsames Mittagspläuschchen. Ich trinke meinen mitgebrachten koffeinfreien Kaffee, arbeite und fahre dann wieder los, wenn die anderen in die Mittagspause gehen. Dazu kommt, dass ich nicht die gleiche Position, die gleichen Aufgaben wie vor meiner Elternzeit habe. Ist ja auch klar – mit Teilzeit geht eben nicht mehr alles. (Oder doch?) Die Frage steht im Raum, die Stunden zu erhöhen. Dafür müsste das Hinbringen und Abholen allerdings reibungslos klappen…  Mit den Öffentlichen benötige ich fast 45 Minuten vom Büro zur Kita. Dort habe ich ein 15-Minuten-Zeitfenster, um Minime abzuholen. Viel Spielraum bleibt da nicht. Aber wem sage ich das? Wer zieht schon das Traumlos, das Wohnung, Kita und Arbeitsplatz nah beieinander liegen?

Auf jeden Fall war ich mit der gesamten Situation lange Leicht nicht richtig zufrieden. Ich brauchte auf jeden Fall auch eine Eingewöhnung für mich, zurück in den Job. Andere erzählen, dass sie nach 2-3 Tagen wieder voll drin waren. Das kann ich für mich irgendwie nicht sagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nun doch, 20 Monate nicht im Arbeitsalltag war. Oder, dass ich nur halbtags arbeite – kaum da, schon wieder weg. Halb im Team, halb bei Minime. Obwohl ich im Büro wirklich gar nicht an sie denke. Diesen Spagat muss ich erst einmal lernen. Oder muss ich mich einfach nur noch an das neue „ich“ der „working mom“ gewöhnen? Oder ist es einfach das schlechte Gewissen, dass ich Minime für sieben Stunden in die Fremdbetreuung gebe, das mich da noch plagt, da es so neu ist?

Wie war das bei dir? Mit wie vielen Stunden bist du wieder in deinen Job eingestiegen und wie fühlte es sich an?

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